
Wer Diamantschmuck gebraucht kaufen möchte, entscheidet sich häufig nicht nur aus finanziellen Gründen für ein Schmuckstück mit Geschichte. Immer mehr Käufer und Käuferinnen legen Wert auf Nachhaltigkeit, hochwertige Materialien und zeitlose Designs. Gebrauchter Diamantschmuck ist dabei eine wunderbare Lösung.
In unserem Beitrag erklären wir Ihnen die Vorteile des Sekundärmarkts und helfen Ihnen dabei, die richtige Kaufentscheidung zu treffen.
Nachhaltiger Diamantschmuck – gebraucht kaufen statt neu anfertigen
Was im Handel als nachhaltiger Diamantschmuck angeboten wird, ist nicht zwangsläufig konfliktfrei, und bedeutet auch nicht unbedingt, dass verarbeitete Diamanten oder Edelmetalle unter aktuellen Nachhaltigkeitsstandards gewonnen und hergestellt wurden. Greenwashing spielt leider auch im Schmuckbereich eine große Rolle.
Besonders ressourcenschonend ist es daher, bereits vorhandene Schmuckstücke weiterzutragen. Wenn Sie Diamantschmuck aus zweiter Hand kaufen, verlängern Sie den Lebenszyklus hochwertiger Materialien und reduzieren zugleich den Bedarf an neuer Rohstoffförderung.
Insbesondere der Abbau von Gold und Edelsteinen ist mit einem hohen Energie- und Ressourcenverbrauch verbunden und kann erhebliche Eingriffe in Natur und Umwelt verursachen. Durch den Kauf von gebrauchtem Schmuck bleiben Edelmetalle und Edelsteine im Wertstoffkreislauf erhalten und aufwendig gefertigte Schmuckstücke werden langfristig genutzt.
Förderung der Kreislaufwirtschaft
Der Schritt von der Beseitigungswirtschaft zur Kreislaufwirtschaft wurde in Deutschland 1972 offiziell mit dem Erlass des Abfallbeseitigungsgesetzes vollzogen. Seither rückte der Nachhaltigkeitsgedanke auch gesellschaftlich immer stärker in den Vordergrund.
Schmuck auf dem Sekundärmarkt zu kaufen, bedeutet also eine bewusste Entscheidung dafür, nicht nur im Alltag, sondern auch beim Erwerb von Luxusgütern umweltverträglich zu handeln und zugleich eine unnötige Neuaufwendung von begrenzten, endlichen Ressourcen zu vermeiden.

Gold als Schlüsselrohstoff – Umweltfolgen und die Rolle von Recycling
Die Verarbeitung von Gold zu Schmuckgegenständen reicht bis in die Antike zurück, denn das Metall wurde bereits damals aufgrund seiner Seltenheit, Schönheit und Korrosionsbeständigkeit geschätzt. Heute spielt es auch im Finanz- und Technologiesektor eine große Rolle, wo es als Wertanlage oder dem Bau von Kontakten und Halbleitern in technischen Geräten dient. Vergessen wird dabei oft, dass Gold eine endliche Ressource ist und wie belastend seine Förderung für Umwelt und Mensch ist.
Um Gold zu gewinnen, müssen giftige Chemikalien – insbesondere Quecksilber – eingesetzt werden, damit sich das geförderte Gold bindet und von den umgebenden Materialien getrennt werden kann. Quecksilberdämpfe können hierbei in die Luft gelangen, flüssige Rückstände des Metalls dringen in Böden und Gewässer. Die logische Konsequenz dieses Vorgehens ist die Kontamination weiter Landstriche mit Schadstoffen, die über heimische Tiere in die Nahrungskette und somit auch in den menschlichen Körper gelangen können.
Nicht zuletzt müssen für die Goldförderung oftmals Wälder und auch lokale Siedlungen weichen. Schlechte Arbeitsbedingungen sowie mangelnde Sicherheitsmaßnahmen sind weitere kritische Faktoren.
Altgoldrecycling und seine Möglichkeiten
Um dieser fatalen Entwicklung entgegenzusteuern und Mensch und Umwelt nicht weiter zu schädigen, wird das Recycling von Gold heute immer stärker vorangetrieben. Schon allein durch die stetige Digitalisierung wird die Nachfrage nach Gold auch in Zukunft eher zu- statt abnehmen. Eine Lösung für dieses Problem bietet das Altgoldrecycling. Edelmetalle aus bereits vorhandenem Schmuck und Elektroschrott können heute in Scheideanstalten eingeschmolzen und in Reinform erneut in Umlauf gebracht werden. Viele deutsche Scheideanstalten arbeiten hierbei auch zunehmend CO2-neutral.
Der große Vorteil liegt auch darin, dass Gold ohne Qualitätsverlust immer wieder recycelt werden kann und nur mit sehr geringen Materialverlusten gerechnet werden muss.
Unser Tipp: Als Privatperson sollten Sie also unbedingt in Betracht ziehen, alten oder geerbten Schmuck in einer Goldschmiede aufbereiten bzw. einschmelzen und zu etwas Neuem arbeiten zu lassen!

Labordiamanten als „grüne“ Option?
Auch der Abbau von Diamanten ist nicht unproblematisch und geht mit teils schwerwiegenden ökologischen und menschenrechtlichen Folgen einher. Im Jahr 2003 trat daher der Kimberley-Prozess in Kraft – ein internationales Zertifizierungssystem, das den Handel mit konfliktbehafteten Diamanten („Blutdiamanten“) eindämmen soll.
Auch Labordiamanten scheinen auf den ersten Blick eine Lösung für die Nachteile des Diamantabbaus zu sein. Hier darf man sich jedoch nicht von den vermeintlichen Vorteilen blenden lassen! Besonders fatal: synthetische Diamanten haben praktisch keinen Wiederverkaufswert! Überlegen Sie sich die Investition in Labordiamanten also gründlich.
Auch wichtig: Für die Herstellung von Labordiamanten muss extrem viel Energie aufgewendet. Der CO2-Fußabdruck synthetischer Diamanten kann also bei Nutzung konventioneller, fossiler Energiequellen – wie sie China und Indien (die größten Hersteller synthetischer Diamanten weltweit) meist vorherrschend sind – mitunter um ein vielfaches höher als beim Abbau von natürlichen Diamanten sein. Allein die vollständige Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien würde hier Abhilfe schaffen.
Außerdem werden für den Bau großer „Diamantfabriken“ weite Flächen versiegelt und die Biodiversität dieser Landstriche eingeschränkt.
Diamantschmuck gebraucht kaufen und Schritt für Schritt prüfen
Wer Diamantschmuck gebraucht kaufen möchte, sollte einige Tipps beachten, die dabei helfen, Qualität, Werterhalt und mögliche Reparaturkosten realistisch einzuschätzen.
Schritt 1: Gesamteindruck prüfen
Verschaffen Sie sich zunächst einen Gesamteindruck. Sind größere Kratzer, Dellen oder auffällige Reparaturen sichtbar? Normale Gebrauchsspuren sind bei älteren Schmuckstücken üblich, starke Beschädigungen können jedoch eine spätere Restaurierung erforderlich machen.
Schritt 2: Fassungen kontrollieren
Eine Fassung soll den Diamant oder Edelstein dauerhaft im Schmuckstück sichern. Prüfen Sie deshalb, ob sich der Stein bei Bewegung oder leichtem Antippen bewegt. Vergewissern Sie sich außerdem, ob Fassungen sichtbar verbogen oder stark abgenutzt sind.
Möchten Sie das Schmuckstück regelmäßig oder gar täglich tragen, ist der sichere Halt von Besatzsteinen umso wichtiger. Sprechen Sie den Verkäufer diesbezüglich einfach an und informieren Sie sich direkt über den Zustand des Objekts.
Schritt 3: Diamanten genau betrachten
Auch Gebrauchter Diamantschmuck sollte mit Angaben zur Qualität der Steine verkauft werden. Ist dies nicht der Fall, zögern Sie nicht, beim Händler nachzufragen. Auch auf dem Sekundärmarkt sollten Diamanten demnach mit einer 10er-Lupe untersucht und anhand der 4 C (Carat, Color, Clarity, Cut) graduiert worden sein.
Mit dem bloßen Augen können Sie als Käufer/in mitunter auch bereits Absplitterungen oder Beschädigungen am Stein sehen, auf die Sie unbedingt achten sollten.
Schritt 4: Edelmetall und Punzen überprüfen
Informieren Sie sich über vorhandene Punzen und den Feingehalt des Schmuckstücks. Üblich sind Gold-Feingehalte von 333, 375, 585 und 750. Zusätzliche Meisterzeichen oder Herstellerpunzen können Hinweise auf die Ursprünge des Objekts geben und sind vor allem bei antiken Schmuckstücken interessant. Beachten Sie auch stark beanspruchte Stellen am Objekt wie etwa Verbindungsteile und Scharniere.
Wichtig: Hochwertiger und echter Schmuck muss nicht immer punziert sein, da es in der Vergangenheit keine internationale Verpflichtung zur Kennzeichnung von Feingehalten gab! Die Expertinnen von der Halsbandaffaire helfen Ihnen gern dabei, die Echtheit Ihres nicht punzierten Schmucks zu überprüfen.
Schritt 5: Unterlagen vergleichen
Wenn Sie insbesondere bei Privatpersonen Second Hand Diamantschmuck kaufen, sollten Sie sich erkundigen, ob Originalrechnungen, Zertifikate von Sachverständigung oder Prüflaboren sowie frühere bzw. aktuelle Gutachten vorhanden sind und ob diese mit dem tatsächlichen Objekt übereinstimmen. Sind die Angaben zu Edelmetall, Steinanzahl und Gewicht korrekt, erhöht dies die Nachvollziehbarkeit und auch Vertrauenswürdigkeit beim Gebrauchtkauf.
Schritt 6: Fachkundige Begutachtung bei Zweifeln
Bei hohen Verkaufssummen und Zweifeln an Schmuckstück und/oder Verkäufer, können Sie sich zur Beratung an einen unabhängigen Juwelier oder Sachverständigen wenden. Vereinbaren Sie gern einen Termin bei der Halsbandaffaire, wenn Sie sich unsicher sind. Unser Team aus Kunsthistorikerinnen und Gutachterinnen steht Ihnen beratend zur Seite.
Marktbesonderheiten und Grenzen beim Second Hand Kauf
Nun kennen Sie bereits einige Gesichtspunkte, die Ihnen Sicherheit geben sollten, wenn Sie Pre-Owned Diamantschmuck kaufen möchten. Bei offiziellen Händlern im Internet sollten Sie zudem auf Bewertungen achten. Auch lohnt es sich, vor dem Kauf zu klären, mit welchen Papieren das Schmuckstück verkauft wird. Gibt es beispielsweise Echtheitszertifikate, die der Händler ausstellt und die später ggf. belastbar sind?
Stellen Sie sich zudem folgende Fragen: Werden gesetzliche Gewährleistungsfristen eingehalten? Gibt es Widerrufsmöglichkeiten und wird Ihnen Ihr gesetzliches Rückgaberecht eingeräumt? Ist der Verkäufer persönlich anzusprechen und werden Fragen zufriedenstellend beantwortet?
Wichtig: Wenn Sie Diamantschmuck gebraucht kaufen und diesen insbesondere bei Privatpersonen erwerben, wird eine Garantie oder Sachmängelhaftung oft ausgeschlossen!

Herkunftsangaben von Diamanten
Bei der Auskunft über die Herkunft von Diamanten in Vintage- und Antikschmuck sollten Sie nicht zu viel erwarten. Fakt ist nämlich, dass ein bereits geschliffener Diamant keinem speziellen Herkunftsland oder gar einer spezifischen Mine zugeordnet werden kann. Kimberley Zertifikate gibt es erst seit dem 21. Jahrhundert und sie können dementsprechend nur auf neu geförderte Rohdiamanten angewendet und ausgestellt werden.
Da die Schliffentwicklung von Diamanten aber historisch belegt ist, kann zumindest eine zeitliche Einordnung stattfinden. So kann ein Diamant im Brillantschliff niemals aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen, da er erst ab 1919 entwickelt wurde. Wissen Sie also um die Entwicklung des Diamantschliffes, können Sie auch die Datierung eines historischen Schmuckstückes durch den Händler besser einordnen und verifizieren!
Pflege und Restaurierung von gebrauchtem Diamantschmuck
Wie Sie Diamantschmuck zu Hause reinigen, haben wir bereits in unserem Beitrag „Wie reinige ich Diamantschmuck?“ geklärt. Sind Fassungen beschädigt, haben sich Steine gelöst oder sind gar Teile des Objekts gebrochen, sollte die Restaurierung ausschließlich durch einen erfahrene/n Goldschmied/in erfolgen. Dabei gilt der Grundsatz, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten und nur so viel Material wie notwendig zu ersetzen.
Kommen Sie in diesen Fällen gerne auf uns zu. Wir bemühen uns, Ihren Diamantschmuck so lange wie möglich zu erhalten und beraten Sie zu möglichen Reparaturen.

Historisches Unikat statt „fast jewellery“
Wer Diamantschmuck gebraucht kaufen möchte, verbindet Nachhaltigkeit mit Qualität, Individualität mit Werterhalt. Nachhaltiger Diamantschmuck entsteht besonders dann, wenn Sie bestehende Schmuckstücke zu schätzen lernen, sie über Generationen hinweg weitergeben oder sie in einer Goldschmiede zu Ihrem ganz persönlichen „neuen“ Lieblingsstück umarbeiten lassen.
Der Kauf von Vintage- und Antikschmuck bietet außerdem die Möglichkeit, außergewöhnliche Schmuckstücke zu erwerben, ohne neue Ressourcen in Anspruch nehmen zu müssen, denn vorhandene Edelmetalle und Diamanten bleiben ebenso erhalten wie historische Handwerkskunst. Zugleich ist es auf dem Sekundärmarkt umso wichtiger, den Zustand und vorhandene Dokumente zu prüfen und bei Fragen nicht zu zögern und den/die Händler/in zu kontaktieren. Nur so treffen Sie eine sichere Kaufentscheidung.
Wer also Diamantschmuck aus zweiter Hand kaufen möchte, sollte stets auf seriöse Fachhändler setzen, die eine professionelle Ausbildung vorweisen können und ihren Kunden Informationen transparent zur Verfügung stellen. Das Sortiment der Halsbandaffaire wird beispielsweise von Kunsthistorikerinnen, Sachverständigen und Gutachterinnen kuratiert und jedes Objekt wird dabei sorgfältig gemmologisch und historisch geprüft.