Historismus und Belle Epoque

Der Schmuck in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im Historismus, wird formal bestimmt von einer allgegenwärtigen Rückbesinnung auf vergangene Zeiten. Nun allerdings bediente man sich nicht mehr allein der klassischen Antike, sondern aller Epochen der Vergangenheit bis zum Rokoko und kombinierte ihre Stilmerkmale mitunter höchst schaffensfreudig zu eklektischen Schmuckstücken. Nachahmung und Kombination der charakteristischen Formensprache früherer Epochen kennzeichnen die Entwürfe dieser Zeit mehr als ein eigenständig neues Design und Ornament.

Zunehmend wird auch die Industrialisierung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Schmuckproduktion relevant. Maschinell produzierte Schmuck und Silberwaren werden hierdurch auch für die niedrigeren Gesellschaftsschichten erschwinglich.
Dem gehobenen Anspruch der kaufkräftigen Klientel kommen weiterhin herausragende Juweliere wie Louis Francois Cartier, der 1847 sein Pariser Geschäft eröffnet, entgegen.

Die Jahre um 1900 sind als die "Belle Époque", die schöne Epoche, in die Geschichte eingegangen. Diese Friedenszeit zwischen Deutsch-Französischem Krieg und Erstem Weltkrieg war geprägt von Ausgelassenheit und Lebensfreude. Man besuchte Revuen und Theaterstücke und genoss die zahlreichen Anlässe, das Leben zu Feiern. Diamanten funkelten mit dem Schein der Kristalllüster und Showbeleuchtungen um die Wette. Die Entwürfe im Schmuck zeichneten sich nun wieder durch Eleganz und prachtvollen Edelsteinbesatz aus, wobei sie sich vornehmlich an der Formensprache des Klassizismus und des napoleonischen Empire orientierten.

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